Als ich 2019 das Zweite mal mit dem Niedersachsenticket +Plus Groningen nach eben jenem Groningen fuhr, da war ich in der Synagoge und kaufte dann im Anschluss noch im dortigen Shop zwei Andenken und eine Flasche Rotwein von den Golanhöhen. Ich hatte gerade zwei Nazidemos, Bedrohungen und Entmenschlichungen hinter mir und zwei durchgeknallte Nachbarn an der Hacke, die an mir mental schraubten und denen ich so ein paar Stunden entkommen konnte.
Ich sprach mit der Frau im Shop, mit meinem Niederländisch und Englisch, was miserabel ist. Und die Frau schaute mich an, tief schaute sie und muss gespürt haben was mich rührt und sie sagte in akzentfreiem Deutsch:
„Die Deutschen singen wieder. Sie singen ‚Deutschland, Deutschland über alles.‘ Aber wir in Groningen singen auch. Wir singen ‚Groningen über alles.‘ Wenn es mal nicht mehr geht, kommen sie wieder nach Groningen.“
Da hatte ich dann schon ’nah am Wasser gebaut‘ und mit glasigen Augen vermittelte ich meinen Dank und sagte ihr, das ich wieder komme. Und wir schauten uns an und wussten etwas von einander … und verabschiedeten uns: tot ziens
Heute (9. Januar 2025) ist so ein Tag, ich wäre jetzt sehr gern in Groningen. In mir ist große Wut und Enttäuschung, wie sich alles entwickelt und wie wenig Gespür die Menschen in Deutschland noch für einander haben. Mit einem Satz, können sie Dich von Jetzt auf Gleich komplett verschrecken, einfach so.